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Erwin Wagenhofer // We Feed the World – Essen Global

„Tag für Tag wird in Wien genau so viel Brot vernichtet wie Graz verbraucht. Auf rund 350.000 Hektar vor allem in Lateinamerika werden Sojabohnen für die europäische Viehwirtschaft angebaut, daneben hungert ein Viertel der einheimischen Bevölkerung. Jede Europäerin und jeder Europäer essen jährlich zehn Kilogramm künstlich bewässertes Treibhausgemüse aus Südspanien, wo deswegen die Wasserreserven knapp werden.“

Unsere tägliche Nahrung wird heute global produziert. Ein typischer deutscher Supermarkt führt an jedem x-beliebigen Tag Produkte aus dutzenden von Ländern. Rind aus Argentinien, Tofu aus China, Tomaten aus Spanien und Fisch aus dem Senegal. Nahrung ist dabei sehr ungleich verteilt: in Europa und den USA sind mehr Menschen übergewichtig als je zuvor, während immer noch Millionen von Menschen in den Ländern des globalen Südens hungern – und das, obwohl für jeden genug da ist.

Der Regisseur des Films, der Österreicher Erwin Wagenhofer, wollte diesen offensichtlichen Unvereinbarkeiten auf den Grund gehen und ist unserer Nahrung nach Frankreich, Spanien, Rumänien, Brasilien und Österreich nachgereist. „We Feed the World – Essen Global“ gibt in eindrucksvollen Bildern Einblick in die Produktion unserer Lebensmittel sowie erste Antworten auf die Frage, was der Hunger auf der Welt mit uns zu tun hat. Dabei verzichtet er gänzlich auf Alarmismus und lässt alle involvierten Akteure zu Wort kommen, inklusive Lebensmittelspekulanten und Konglomerate.

Der Film lässt einem seinen eigenen Konsum nochmals hinterfragen – muss es im August wirklich die Papaya aus Thailand sein? Wären Brombeeren aus der Region nicht die leckerere und klimafreundlichere Alternative? Möchte ich mit meinem Konsumverhalten Massentierhaltung unterstützen? Wie lange wird es noch Fisch geben? Fragen über Fragen, die einem durch den Kopf schießen werden, nachdem man diesen Film gesehen hat. Food for thought – im wahrsten Sinne des Wortes!

(Lorenz Blume)

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Nicholas Shakespeare – Broken Hill

„Kurz vor fünf Uhr Früh kletterte Allahs zweiköpfige Armee auf Güls Eiswagen und fuhr, gezogen von seinem rotbraunen Pferd, aus Ghantown die Rakow Street hinunter und weiter entlang der Eisenbahnlinie in Richtung Silverton, um Australien den Krieg zu erklären.“

Wie es zu diesem dramatischen Aufbruch kommt erzählt Nicholas Shakespeare in poetischen Bildern. Es ist die Geschichte von Rosalind Filwell und Gül Mehmet, zwischen denen eine zarte Zuneigung entsteht.

Rosalind ist im Begriff Oliver zu heiraten, aber sie zweifelt, als sie den Eisverkäufer Gül kennenlernt. Neugierig taucht sie in seine Welt ein, auch Gül sieht in ihr eine Vertraute, eine Freundin.

Der erste Weltkrieg hat auch Australien erreicht. Arbeitslosigkeit und die aufgeheizte Kriegsstimmung fachen den Ausländerhass an.

Gül, afghanischer Herkunft, sieht sich bald ungerechten Anfeindungen ausgesetzt. Er schließt sich mit Molla Abdullah zusammen, dem ähnliches wieder fährt. Unbemerkt radikalisieren sie sich und als der türkische Sultan zum Kampf gegen die Briten und ihre Alliierten aufruft, kommt es zur Katastrophe.

Tragisch endet die Geschichte von Rosalind und Gül am Neujahrstag 1915.

Nicholas Shakespeare lehnt seinen Roman an historische Ereignisse an. Auch Gül und Molla haben gelebt. Der Roman ist allerdings fiktiv. Ein schmaler, kleiner Roman in seiner Thematik topaktuell.

(Dagmar Morgenstern)

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Lars Kepler – Hasenjagd

Der sechste Fall mit Joona Linna

In einem Villenviertel in Stockholm geschieht ein brutaler Mord.

Da es sich um einen hohen schwedischen Politiker handelt, hält die Polizei den Fall geheim.

Obwohl Joona Linna gerade seine Gefängnisstrafe absitzt wird er zu dem Fall hinzugezogen mit der Option auf Begnadigung.
Eine lebensgefährliche Jagd beginnt und es gibt weitere Opfer.

Die Gründe für die bizarren Morde liegen weit in der Vergangenheit.

Leider ist der Titel etwas irreführend, da es sich im Roman um Kaninchen nicht um Hasen handelt. Auch für tierliebende Krimifans ist dieses Buch nicht die geeignete Lektüre. Ansonsten ein gewohnt spannender Schwedenkrimi des Schriftstellerehepaars Alexandra Coelho Ahndoril und Alexander Ahndoril.

(Dagmar Morgenstern)

Hasenjagd

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Marco Elsberg: Blackout – Morgen ist es zu spät

„An einem kalten Februartag brechen in Europa alle Stromnetze zusammen. Der totale Blackout. Der italienische Informatiker Piero Manzano vermutet einen Hackerangriff und versucht, die Behörden zu warnen – erfolglos. Als Europol-Kommissar Bollard ihm endlich zuhört, tauchen in Manzanos Computer dubiose Emails auf, die den Verdacht auf ihn selbst lenken. Unterdessen liegt ganz Europa im Dunkeln, und der Kampf ums Überleben beginnt …“

Blackout ist eine erschreckend realistische Fiktion, welche einem erst unsere totale Abhängigkeit vom elektrischen Strom in allen Alltagssituation bewusst werden lässt. Elsberg schreibt unheimlich packend und stellt die möglichen Konsequenzen eines großflächigen Stromausfalls in Europa aus verschiedenen Perspektiven dar – und dies zudem sehr glaubhaft!

Die wissenschaftlichen Hintergründe sind gründlich recherchiert worden und gut belegt, für all die, die sich mehr Informationen zu den Themen wünschen. Konsequenterweise kürte die Zeitschrift Bild der Wissenschaft das Werk 2012 zum „spannendsten Wissensbuch des Jahres“.

Dieses Buch ist ein machtvolles Plädoyer für eine dezentrale Energieversorgung, wo erneuerbare Energie in der Region erzeugt und auch genutzt wird. Die Diversifizierung der Energieträger zur Stromerzeugung für die Grundenergieversorgung erhöht zudem die Resilienz der Strominfrastruktur in Deutschland und Europa und verringert die völlige Abhängigkeit von Erdöl- und Erdgasimporten in unserer zunehmend vernetzten Welt.

(Lorenz Blume)

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Adèle Bréau – Fast perfekte Heldinnen

Mathilde, Alice, Lucie und Èva sind seit Jahren unzertrennlich und plötzlich vierzig. Die wilde Studienjahre, durchtanzte Nächte und heiße Flirts sind in weite Ferne gerückt und nach herrlichen Sommerferien in der Provence holt sie der ganz normale Alltag schnell wieder ein.

Mathilde ist mit Max verheiratet, Mutter zweier Jungen und Managerin in einem Kosmetikkonzern. Sie leidet notorisch unter Zeitmangel und ihre perfektionistische Ader erleichtert ihr nicht das Leben. Alice hofft auf eine Versöhnung mit ihrem Exmann, ist alleinerziehend und sehr engagiert in ihrem Beruf als Köchin.

Lucie hat eine große Familie, Besitzerin einer Modeboutique. Sie ist elegant und schön aber leider krankhaft eifersüchtig. Èva arbeite als Journalistin und wünscht sich sehnlichst ein Kind von ihrem Mann Vincent. Zwischen Kindern und Karriere, Liebe, Lust und Frust stemmen die vier Freundinnen ganz charmant die Hürden des Alltags.

Leichte, lockere Ferienlektüre, die Lust auf mehr macht und der Wunsch kann sofort erfüllt werden mit: Männer von fast perfekten Heldinnen

Adèle Brèau ist Journalistin, arbeitet für Frauenzeitschriften und unterhält einen Blog.

(Dagmar Morgenstern)

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Ian Rankin – Ein kalter Ort zum Sterben – Ein John Rebus-Krimi

Rebus im Ruhestand – das geht gar nicht. Einmal Polizist immer Polizist.

So nimmt er sich einen alten Fall vor: den Mord an der Bankiersgattin Maria Turquand 1978. Trotz mehrmaliger Wiederaufnahme der Untersuchungen wurde der Mörder von Maria nie gefunden.

Rebus sucht und wühlt in der Vergangenheit und ein neuer Fall verquickt sich mit dem alten.

Rebus selbst ist leicht angeschlagen. Eine Lungenerkrankung, von der er nicht weiß wie schlimm sie wirklich ist, belastet ihn zusätzlich. Auch alte Bekannte aus Edinburghs Unterwelt mischen in diesem Fall wieder mit.

Am Ende ist die Lösung klassisch.

Trotz einiger Längen ein spannender Krimi von dem erfolgreichsten Krimiautoren der Gegenwart Ian Rankin.

Bereits 21mal ermittelte seine literarische Hauptfigur John Rebus.

In Edinburgh können Besucher sogar bei der „Rebus Tour“ in den Fußstapfen des berühmten Inspector wandeln.

(Dagmar Morgenstern)

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Florence Foster Jenkins – nach einer wahren Geschichte

Florence Foster Jenkins Traum ist es Opernsängerin zu werden.

Geboren 1968 in der Vereinigten Staaten als Tochter wohlhabender Eltern erhält sie Klavierunterricht unf tritt bei sogenannten Sängerfesten auf.
Den Wunsch Gesang zu studieren teilt der Vater nicht.

Sie heiratet – läßt sich scheiden – heiratet erneut – diesmal glücklich.

Nach dem Tod der Eltern erbt sie einbeträchtliches Vermögen und kann endlich ihre Gesangskarriere finanzieren.

Ihr zweiter Mann St. Clair Bayfield wird auch ihr Manager.

Berühmt wird sie nicht etwa durch eine außergewöhnlich gute Stimme sondern weil sie nie den richtigen Ton trifft. Ihr Publikum findet ihre Arien einfach nur komisch. So wird sie zur Lachnummer ohne es wahrzunehmen.

Florence ist glücklich über ihren Erfolg. Ihr Mann Bayfield und ihr Pianist McMoon versuchen sie vor einer Blamage
zu bewahren, aber Florence will singen.

Locker und leicht inzeniert mit den Hollywoodstars Meryl Streep und Hugh Grant.

(Dagmar Morgenstern)